Neue Westfälische 27.03.2010 - Bad Oeynhausen feiert 150 Jahre Stadtrechte PDF Drucken E-Mail

"Seien Sie stolz auf Ihre Stadt"

Bad Oeynhausen feiert 150 Jahre Stadtrechte

 

Bad Oeynhausen. "Geht so" – nach den Recherchen von Harald Meves ist dies so ziemlich das höchste Lob in Ostwestfalen.
Und ein stattliches Lob hat der Festakt anlässlich des 150. Geburtstages der Stadt Bad Oeynhausen verdient.
Der Kabarettist aus Vlotho moderierte den Abend im Theater im Park – trotz angeschlagener Gesundheit mit ostwestfälisch
spitzem Zungenschlag. Besonders gelungen waren seine munteren Überbrückungen der Umbaupausen.

500 zum großen Teil geladene Gäste erlebten im Theater im Park ein vierstündiges Programm mit Musik,
Gesprächsrunden und vielen Geschichten aus den vergangenen 150 Jahren.

Musikalisch begleitete den Abend der Quartettverein, gefolgt von Ensembles der städtischen Musikschule.
Das Staatsbad-Orchester spielte populäre Musik der 1860er Jahre. An die Verleihung der Stadtrechte durch
den preußischen Prinzregenten Wilhelm erinnerten Schauspieler des Detmolder Landestheaters in einer szenischen
Darstellung: Große Chancen räumte Minister Flottwell (gespielt von Ulrich Holle) dem Antrag damals nicht ein.
"Der Prinz hat Schwierigkeiten mit dem Kriegsministerium", haderte Minister Flottwell auf der Theaterbühne.
Setzte aber auf Prinzessin Augusta, denn die sei eine begeisterte Badbesucherin. Das As im Ärmel hatte in der
Szene Minister von der Heydt: "Unser größter Trumpf sind die Finanzen. Die Verleihung der Stadtrechte und ein
schneller Aufbau eines Staatsbades haben den Vorteil, dass der Ort nicht mehr auf Zuwendungen aus der königlichen
Schatulle angewiesen sei." Ein Argument, dem sich Prinz Wilhelm, dargestellt von Wolf von der Burg, nicht verschließen konnte.

Dass das Thema Geld bei weitem kein alter Hut ist, machte die erste von zwei Gesprächsrunden deutlich.
NW-Lokalchef Jörg Stuke bat Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl, Landrat Dr. Ralf Niermann, den Colon Rudolf Krüger,
Gastgeber Klaus Mueller-Zahlmann auf die Bühne. Dessen Löhner Kollege, Heinz- Dieter Held, kam als "guter Nachbar".
"Eine Übernahme ist nicht vorgesehen", versprach Held. Auch wenn Bad Oeynhausen vor 150 Jahren aus den Orten Melbergen
und Rehme-Niederbecksen entstanden ist, kommt Neid bei Held trotz Kurpark inklusive Kaiserpalais nicht auf.
"Wir sonnen uns im Westen im Glanz Bad Oeynhausens."

Das besondere Flair der Kurstadt hob auch Marianne Thomann-Stahl hervor: "Seien Sie stolz auf ihre Stadt.
"Einen historischen Rückblick lieferte Stadtarchivar Rico Quaschny. In seinem kurzweiligen Vortrag ging er
auf die Entwicklung des Staatsbades, aber auch auf die Veränderungen in der Stadt während der Weltkriege bis
zur Besatzungszeit ein. Ein schönes Beispiel für den feinsinnigen Humor der Bad Oeynhausener fand Quaschny
auch in den Archiven: Auf einem Notgeldschein findet sich der Spruch "Bad Oeynhausen – das Paradies der Schieber".
Gemeint sind natürlich die Krankenfahrstühle – die sogenannten Wolkenschieber.

Dass ein Ausflug in den Kurpark nicht allein der Gesundheitsförderung diente, zeigten die Gruppe "Dance Reflex"
des MTV Bad Oeynhausen.

In Kleidern des Kostümverleihs "Klimbim" präsentierte die Gruppe Mode des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Für die Überleitung zur nächsten Gesprächsrunde zeichnete wieder Harald Meves verantwortlich. Er sinnierte über
Lieblingswörter der Ostwestfalen wie Puschen, Pöter und Pömpel. Und lieferte für letzteres die Erklärung gleich mit:
"Ein Pömpel ist ein großer Pinökel". Feine, aber kostenintensive Unterschiede kamen in der zweiten Gesprächsrunde zur
Sprache. Und zwar der fürs Stadtsäckl in punkto Gewerbesteuer bedeutsame Unterschied zwischen gemeinnützig (Kliniken)
und gemein-nützlich (Unternehmen). Über diesen tauschten sich Lorenz Lingemann und "Mr. Gollwitzer" Wilhelm Henneking
aus. Die beiden hatte Jörg Stuke neben Kurt Krutemeier, Hans Milberg und den in Bad Oeynhausen geborenen NW-Geschäftsführer
Axel Frick auf die Bühne gebeten. Themen der Runde: Gesundheit, Wirtschaft, Sport, Kultur. Und von allem habe Bad Oeynhausen
viel zu bieten, sagte Frick.

 

 

 
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